Radschrauben / muttern nachziehen?

Immer wieder werden wir gefragt - muss man dann wirklich die Radschrauben / muttern nach der Montage ( auf unseren Lieferscheinen und Rechnungen steht: Radmuttern nach 50 Km oder 1 Tag nach Montage nachziehen.) nachziehen?

Die einzig mögliche Antwort unsererseits heißt:

Ja - es ist ganz einfach Pflicht und nicht etwa Kür!

Trotzdem ist es in der Praxis so, daß noch nicht einmal 2% unserer Kunden nach kurzer Einfahrzeit (50 Km oder 1 Tag nach der Montage) zum nachziehen (Drehmomentkontrolle) vorbeischauen.

Das ist zwar ein Indiz dafür das es selten notwendig ist - aber - nur die Kontrolle bringt letztendlich Gewissheit! Deshalb können wir nur jedem Kunden dazu raten.

Dazu folgende Erklärung: Wir achten natürlich bei der Montage in unserer Werkstatt darauf die Räder gleichmäßig und mit dem vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenem Drehmomentwerten anzuziehen.

So weit - so gut! Allerdings spielen noch einige andere Faktoren hierbei eine Rolle, die dazu führen können, daß das nachziehen erforderlich werden kann.

Faktor 1. Alter und Zustand der Rad-oder-Stehbolzen und deren Gewinde. Gerade nach diesem, für unsere Kölner Verhältnisse doch recht hartem Winter, sehen wir verstärkt die Folgen von Streusalz an den Rädern und Radaufnahmen, was zur Folge hat, daß Räder auf ihrer Zentrierung "festrosten" und Schrauben sich nicht ohne weiteres lösen lassen, weil das Gewinde durch Korrision beschädigt ist, und die Schrauben dadurch "festfressen" was dazu führen kann, das Radmuttern bzw. Radbolzen beim lösen / abschrauben unter Umständen abreissen.

Faktor 2. Oftmals wurden Schrauben / Rad-Stehbolzen durch vorherige (unsachgemäße) Montage bereits "überdehnt". Das passiert meist durch das Arbeiten mit (nicht auf Drehmomentwert einstellbare) Schlagschraubern, oder weil man es "zu gut" meinte bei der "Handmontage" ohne das richtige (Drehmomentschlüssel) Werkzeug. (Hier paßt der Spruch - Nach ganz fest kommt ganz los...)

Überdehnte Schrauben sind oftmals die Ursache für sich lösende Radbefestigungen!

Das Problem hierbei ist, daß man es den Gewinden meist nicht ansehen kann ob sie "schon mal" überdehnt worden sind. Auch deshalb - nach kurzer Laufzeit - sicherheitshalber nachziehen!!!

Faktor 3. Felgenauflageflächen (an Felge und Radaufnahme Fahrzeugseitig) sind durch Korrision verschmutzt oder beschädigt und die Auflage ist nicht mehr gerade (plan) Das kann nicht nur zu Vibrationen - trotz auswuchten - führen, sondern auch dazu, daß sich die Räder lösen.

Schmutz zwischen Radflansch und Bremsscheibe. Hierbei fallen Schmutzpartikel beim lösen des Rades zwischen die Bremsscheibenaufnahme und die Bremsscheibe, und werden dann beim anziehen des Rades eingeklemmt. Das Problem - die Radbefestigung kann sich selbst nach einigen tausend Kilometern noch lösen! Oft bei Audi Modellen der Fall.

Und selbst wenn die Verschmutzungen entfernt werden können (nicht immer restlos möglich) bleiben die beschriebenen Probleme.

Deshalb unsere Empfehlung: Radbefestigung nach kurzer Laufleistung immer nachziehen!

Nachtrag: Das Reifen/Räder-Test-Center RTC des TÜV Süddeutschland hat zu diesem Thema eine Grundsatzuntersuchung durchgeführt, was zu folgendem Ergebnis führte:

Bei vielen Heute im Einsatz befindlichen Radbesfestigungen kann ein Lockern von Radschrauben und Radmuttern im Fahrbetrieb nach einem Radwechsel nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Als Einflussgrößen waren die Radlast, die Motorleistung, die Werkstoffpaarung Schraube / Radträger und der Korrosionszustand der Anschlussfläche feststellbar.

Daher empfiehlt das RTC (Rad Test Center) des TÜV Süddeutschland grundsätzlich nach jeder Radmontage - ob durch Werkstätten der Fahrzeughersteller, freie Werkstätten, des Reifenfachhandels oder auch durch Privatpersonen - das Nachziehen der Befestigungsteile nach einer Fahrstrecke von mindestens 20 km und maximal 200 km!

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